Im Islam wird das Streben nach Wissen nicht nur als Informationsbeschaffung, sondern als ein Akt der Anbetung betrachtet. Für die Angehörigen einer Zivilisation, deren Prophet sagte: 'Strebt nach Wissen, und wenn es in China sei', ist das Erlernen einer neuen Sprache das Bemühen, die Zeichen Allahs auf Erden und die Weisheiten der verschiedenen von Ihm erschaffenen Kulturen zu verstehen. Moderne wissenschaftliche Untersuchungen haben bewiesen, dass das Erlernen einer neuen Sprache die Plastizität des Gehirns erhöht, das Gedächtnis stärkt und neurologische Funktionen belebt. Aus kognitiver Sicht ist die Problemlösungsfähigkeit, die Multitasking-Kompetenz und die Konzentrationsfähigkeit von Personen, die zwei oder mehr Sprachen sprechen, deutlich höher als bei Einsprachigen. Das Erlernen einer Sprache gehört zu den komplexesten Übungen für das Gehirn.
In spiritueller Hinsicht bedeutet das Erlernen einer Sprache, insbesondere wenn es um Arabisch geht, eine direkte Reise zur Quelle der Offenbarung. Das Verständnis des Edlen Korans, der Hadithe und der jahrhundertealten Bittgebete in der Originalsprache vervielfacht die Wirkung, die der Text auf das Herz ausübt. Ein Gläubiger, der mit dem Wissen um die Bedeutung der Verse betet, spürt die Verbindung zu Allah in diesem Moment viel stärker. Je tiefer man in die Stammbedeutungen der Wörter eindringt, desto mehr kommen nicht nur die äußeren (Zahir), sondern auch die inneren (Batin) Weisheiten der Verse ans Licht. Wenn man beim Zikr 'Subhanallah' oder 'Alhamdulillah' sagt und dabei die etymologische Tiefe und das theologische Gewicht dieser Wörter begreift, wird die Zunge von der Unachtsamkeit und das Herz von der Unruhe befreit.
Große Persönlichkeiten des Islam haben im Laufe der Geschichte das Erlernen von Fremdsprachen und insbesondere des Arabischen gefördert. Umar ibn al-Khattab (r.a.) betonte die Wichtigkeit dieses Themas mit den Worten: 'Lernt Arabisch, denn es ist ein Teil eurer Religion.' Sprache ist nicht nur ein Werkzeug, sondern ein Tor zu einer Kultur und Glaubenswelt. Die Kenntnis verschiedener Sprachen ist auch von entscheidender Bedeutung, um die universelle Botschaft des Islam verschiedenen Völkern nahezubringen (Tablīgh). Dass der Prophet (s.a.w.) Zaid ibn Thabit beauftragte, Hebräisch und Syrisch zu lernen, ist das konkreteste Beispiel dafür, wie kritisch Sprache aus diplomatischer und religiöser Sicht ist. Heute lässt ein auf Arabisch gesprochener Satz bei globalen Gottesdiensten wie der Hajj oder Umrah das Bewusstsein der Ummah (Asabiyyah al-Islamiyyah) wieder aufleben.
Unter den kognitiven Vorteilen des Sprachenlernens sind auch die Anti-Aging-Effekte sehr deutlich. Die Beschäftigung mit einer neuen Sprache im fortgeschrittenen Alter reduziert das Risiko für geistige Erkrankungen wie Alzheimer und Demenz erheblich. In spiritueller Hinsicht ist der Prozess des Sprachenlernens eine Art 'Erziehung der Seele' (Tazkiyat al-Nafs), da er Geduld, Ausdauer und Kontinuität erfordert. Das Auswendiglernen neuer Wörter, das Ringen mit Grammatikregeln und Ausspracheübungen helfen beim Aufbau eines disziplinierten Charakters. Als Angehöriger einer Religion, deren erste Offenbarung mit dem Befehl 'Lies' begann, ist das Erlernen einer Sprache eine der umfassendsten Anwendungen dieses Befehls. Zusammenfassend ist Sprachenlernen eine gewaltige Gnade, die die Entwicklung des Verstandes mit der Vollkommenheit der Seele verbindet.
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