Die Asmā' al-Husnā (die schönsten Namen Allahs) sind die Manifestationsportale Seiner unendlichen Vollkommenheitsattribute, die sich im Universum und in der menschlichen Seele widerspiegeln. In der islamischen Denktradition sind Dua und Munajat der ästhetischste und wirkungsvollste Weg, sich dem Herrn zuzuwenden, indem man diese Namen als Fürsprecher einsetzt. Marifatullah, also die Wissenschaft der Erkenntnis Allahs durch Seine Namen und Attribute, ist keine trockene Informationssammlung, sondern eine Lebenserfahrung, die durch das Dua praktisch wird. Munajats präsentieren die göttlichen Namen in einer prägnanten und rhythmischen Abfolge und regen den Diener dazu an, bei jedem Schritt über eine andere Manifestation nachzudenken. Ein Gläubiger, der seinen Herrn mit tausendundeinem Namen anspricht, beginnt tatsächlich, das Siegel dieser Namen in jedem Teilchen des Universums zu lesen; er erlangt Einblick in das Geheimnis und die Ordnung der Schöpfung sowie in seine eigene Bedürftigkeit.
Die Struktur von Munajats wie dem Cevşen-ül Kebir, bei der jedes Kapitel eine bestimmte Anzahl von Namen (meist zehn) enthält, ist keine zufällige Anordnung, sondern eine systematische Methode der Kontemplation (Tafakkur). Wenn der Diener 'Ya Rahmān, Ya Rahīm, Ya Karīm' sagt, zieht er die göttliche Gnade in seine Seele; sagt er 'Ya Jabbār, Ya Mutakabbir, Ya Qahhār', zieht er die göttliche Erhabenheit an. Die gleichzeitige Erwähnung dieser scheinbar gegensätzlichen Namen etabliert im Herzen des Gläubigen das Gleichgewicht von 'Khawf und Rajā' (Furcht und Hoffnung). Große Meister des Sufismus betrachteten den Zikr der Namen als den einzigen Weg zur spirituellen Entwicklung und zur Reinigung des Herzens (Tasfiya). Jedes mit den Namen verrichtete Munajat lüftet nacheinander die Schleier der Unachtsamkeit im Herzen und führt die Person zu jenem Bewusstsein, das wir 'Huzūr-u Dāimī' nennen – den Zustand, sich in jedem Moment in der Gegenwart Allahs zu befinden.
Die Manifestation der Namen durch das Dua umfasst sowohl die persönlichen Bedürfnisse des Einzelnen als auch eine universelle Dimension. Während der Gläubige sein begrenztes Bedürfnis zum Ausdruck bringt, spricht er in Wirklichkeit zum absoluten Herrscher des Universums, dem 'Rabb al-'Ālamīn'. Wenn er mit dem Namen 'Ya Hāfiz' um Schutz, mit 'Ya Razzāq' um Versorgung und mit 'Ya Mujīb' um die Erhörung seiner Gebete bittet, gesteht er in Wirklichkeit seine eigene Armut (Faqr) und den absoluten Reichtum (Ghinā) Allahs ein. Dieses Geständnis ist die stärkste spirituelle Handlung, die den Hochmut bricht und Demut aufbaut. Je mehr die Marifatullah zunimmt, desto mehr löst sich der Gottesdienst von der reinen Form und gewinnt an Ehrfurcht (Khushū') und Liebe. Lange Munajats sind die spirituelle Nahrung des Herzens, da sie diese Erkenntnis aus einer ganzheitlichen Perspektive präsentieren.
Untersucht man die Virds der großen Heiligen und Lehrer der islamischen Geschichte, so stellt man fest, dass die göttlichen Namen im Zentrum dieser Gebete stehen. Die Namen der Macht vertreiben unbegründete Ängste und weltliche Sorgen aus dem Herzen, während die Namen der Barmherzigkeit Hoffnung und Liebe nähren. Munajats, die mit den Namen verrichtet werden, disziplinieren nicht nur die Zunge, sondern auch die Seele des Dieners. Besonders in Zeiten wie dem Monat Ramadan und den gesegneten Nächten vervielfacht sich die Wirkung dieser Flehen, die mit den Namen verrichtet werden. Die göttliche Gnade hinter dem Schleier manifestiert sich durch das Geheimnis der Namen. Zusammenfassend ist Marifatullah der Schlüssel zur ewigen Glückseligkeit, und das Dua ist die einzige Handlung, die diesen Schlüssel am Tor der göttlichen Barmherzigkeit dreht. Ein mit den Namen ausgestattetes Herz wird von einem Licht erhellt, das die Codes des Universums entschlüsselt.
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