
Die grammatikalische Struktur des Arabischen gehört zu den seltenen Systemen unter den Sprachen der Welt, die eine mathematische Präzision und eine systematische Logik besitzen. Aufgebaut auf den zwei Hauptsäulen Nahw (Syntax) und Sarf (Morphologie), löst diese Sprache durch ihre Wurzelsystematik (Root System) Bewunderung aus. Im Arabischen basiert fast jedes Wort auf einer Wurzel aus drei Buchstaben. Dank dieser Wurzelsystematik können aus einem Kern hunderte verschiedene Wörter abgeleitet werden, die inhaltlich miteinander verwandt sind. Dass beispielsweise Wörter wie Buch (Kitab), Bibliothek (Kütüphane) und Schule (Mektep) von der Wurzel „k-t-b“ abstammen, ist ein Beweis dafür, welch geordnetes Universum diese Sprache bietet. Verbformen (Bablar) können die Qualität einer Handlung durch die Änderung eines einzigen Buchstabens völlig verändern.
Die Bela'at (Beredsamkeit) zeigt, dass Arabisch nicht nur aus Grammatik besteht, sondern auch eine hohe ästhetische und philosophische Tiefe besitzt. Durch die Anordnung der Wörter, den Rhythmus und den Einsatz von Metaphern spricht sie das Herz des Gegenübers direkt an. Eines der größten Wunder des Heiligen Korans ist das Wunder der Bela'at. Zur Zeit seiner Herabsendung blieben selbst jene Stämme, die den Gipfel der Rhetorik darstellten, angesichts der literarischen Überlegenheit der Verse machtlos. Selbst die kleinste Änderung in der Wortreihenfolge eines Verses kann dessen Betonung völlig verändern. Das Erlernen der Grammatik ermöglicht es uns, diese Feinheiten der Beredsamkeit zu bemerken; es macht es möglich, Verse nicht nur zu lesen, sondern sie förmlich zu „schauen“. Literarischer I'jaz ist eine göttliche Kunst, die die Grenzen der Sprache sprengt.

Die Wissenschaft der Nahw untersucht die Beziehung der Wörter innerhalb eines Satzes zueinander und die Veränderungen der I'rab (Vokalisierung am Wortende). Im Arabischen bestimmt die Änderung des Vokals am Ende eines Wortes, ob dieses Wort das Subjekt (Fail) oder das Objekt (Maful) des Satzes ist. Dieser Umstand ist für die Koranexegese von lebenswichtiger Bedeutung. Eine falsche Vokalisierung kann die Bedeutung völlig ins Gegenteil verkehren. Die Wissenschaft der Sarf hingegen befasst sich mit dem Kern des Wortes selbst. Wenn ein Muslim diese Regeln lernt, begreift er besser, warum Gebete und Hadithe genau in dieser Form ausgedrückt wurden und welche göttliche Absicht hinter den gewählten Wörtern steht. Gelehrte haben die arabische Grammatik als „Sprache der Logik“ bezeichnet, da diese Sprache dem Geist die Fähigkeit zu systematischem Denken verleiht.
Das Erlernen von Grammatik und Bela'at ist für den Gläubigen kein trockenes technisches Wissen, sondern ein Aufzug, der in die Tiefen der Offenbarung führt. Die Wahl jedes einzelnen Wortes im Koran ist kein Zufall; dass ein Wort in einer bestimmten Form erscheint, birgt große Weisheiten. Auch die Eigenschaft unseres Propheten (saws) als Jawami' al-Kalim (mit wenigen Worten viel Inhalt ausdrücken) steht in direktem Zusammenhang mit diesem Reichtum der arabischen Bela'at. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Erlernen der Grammatik- und Bela'at-Regeln des Arabischen der Schlüssel zum Weg der islamischen Wissenschaften ist. Eine mit diesen Wissenschaften ausgestattete Person begreift den Koran und die Hadithe unmittelbar als göttliches Kunstwerk und gelangt aus erster Hand zu den Wahrheiten des Islam. Sprachdisziplin ist die Grundlage spiritueller Reife.
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