
Die islamische Zivilisation ist im Kern eine Zivilisation der Reinheit, und der Grundstein dieser Zivilisation ist der Gottesdienst des Wudu (Abdest). Wudu ist ein System der Reinigung, das weit tiefer geht als die Hygieneregeln, die die moderne Welt neu entdeckt hat; es ist sowohl eine materielle als auch eine spirituelle Läuterung. Wudu ist nicht nur eine vorbereitende Handlung, sondern ein eigenständiger Dhikr und Gottesdienst – der spirituelle Panzer des Gläubigen. Dass jede Zelle, die mit Wasser in Berührung kommt, durch eine göttliche Heilung erneuert wird, ist das sichtbare Gesicht des Wudu. Doch die eigentliche Kraft dieser Handlung liegt darin begründet, dass sie den weltlichen Schmutz und die Spuren der Sünden von der Seele wegwischt.
Die Nachricht, dass von jedem Körperteil, das beim Wudu mit Wasser benetzt wird, die Sünden Tropfen für Tropfen abfallen, ist die größte Frohbotschaft dieses Gottesdienstes. Es ist ein „spirituelles Bad“, bei dem Fehler, die mit den Händen begangen wurden, und Mängel, die durch das Gesicht ins Auge fielen, gereinigt werden. Das Ghusl (die Ganzkörperwaschung) wiederum ist eine vollständige Reinigung, die den gesamten Körper umfasst, das Individuum von ritueller Unreinheit befreit und es für den Gottesdienst befähigt. Das Teyemmum, das für Fälle ohne Wasser oder bei Unmöglichkeit seiner Nutzung legitimiert wurde, zeigt die Sensibilität des Islam, den Gottesdienst unter allen Umständen aufrechtzuerhalten und die Reinheit der Absicht über die technischen Möglichkeiten zu stellen.
Wissenschaftlich betrachtet entspannt die Stimulierung der Extremitäten des Körpers mit Wasser (Hydrotherapie) das Nervensystem und gleicht den Blutkreislauf aus. Doch für einen Gläubigen ist die Wirkung des Wudu weitaus größer als die biologischen Vorteile. Im Zustand des Wudu zu verweilen, ist ein dauerhafter Zustand des Gottesdienstes und ein unsichtbarer Schild, der die Person vor spirituellen Angriffen schützt. Wer über die Weisheiten des Wudu nachdenkt, bemerkt, dass das Wasser nicht nur Staub und Erde, sondern auch den Rost auf dem Herzen wegspült. Wudu ist eine göttliche Kühle, ein Quell der Ruhe, der den Zorn löscht und das Ego besänftigt.
Die Feinheiten eines korrekten Wudu liegen nicht nur darin, dass das Wasser überall hinkommt, sondern auch darin, dass diese Handlung mit einem „Bewusstsein“ vollzogen wird. Ein Wudu gemäß der Sunna erreicht seine Vollkommenheit, indem man beim Waschen jedes Körperteils die entsprechenden Bittgebete spricht oder zumindest die Absicht hegt: „Oh mein Herr, bewahre dieses Glied vor dem Haram“. Spirituelle Reinheit ist das Spiegelbild des Äußeren im Inneren und des Inneren im Äußeren. Wer äußerlich nicht rein ist, wird schwerlich inneren Frieden finden; wer innerlich unrein ist, dessen äußere Sauberkeit wird kaum von Dauer sein. Wudu ist die Brücke, die diese beiden Welten (Mulk und Malakut) verbindet.

Die psychologische Dimension des Wudu bereitet den Menschen darauf vor, von einem Zustand in den anderen überzugehen. Das Wudu, das man vollzieht, nachdem man aus dem ermüdenden Chaos der Welt kommt und bevor man auf den Gebetsteppich tritt, ist eine mentale Schwelle. Es ist der stärkste Reiz, der das Bewusstsein weckt: „Jetzt trete ich in die Gegenwart Gottes“. Eine Seele im Zustand des Wudu schafft es, im Alltag geduldiger, weitsichtiger und ruhiger zu bleiben. Jede Bewegung während des Wudu fokussiert den Verstand auf den Augenblick und bündelt zerstreute Gedanken. Dies beeinflusst direkt die Qualität des Gottesdienstes und das Maß an Khushu.
Das lückenlose Erlernen der Kenntnisse über Ghusl, Wudu und Teyemmum ist die grundlegende Verantwortung eines jeden Muslims. Dieses Bewusstsein besonders den jungen Generationen zu vermitteln, bildet auch die Basis für die Liebe zum Gebet. Um fehlerhaften Anwendungen vorzubeugen, ist fikh-orientierte Disziplin unerlässlich. Diese Methode der Erleuchtung des Islam ins Zentrum unseres Lebens zu stellen, wird uns sowohl im Diesseits als auch im Jenseits zu Gemeinschaften mit „lichtvollen Gesichtern“ machen. Wudu ist nicht nur eine Bedingung des Glaubens, sondern ein strahlendes Gewand für Herz und Seele. Eine mit Wissen ausgestattete Reinheit ist ein wahres Zeichen der Dienerschaft.
Zusammenfassend ist Wudu eine göttliche Disziplin, die dem Leben des Gläubigen Ordnung verleiht. Sich zu bemühen, in jedem Moment im Zustand des Wudu zu sein, bedeutet, den spirituellen Schutz zu verstetigen. Dieses Licht, das mit dem Wasser kommt, reinigt die Aura der Person und bietet Widerstand gegen satanische Einflüsterungen. Islamische Gelehrte haben auf die vielschichtige Wirkung dieses Gottesdienstes hingewiesen, indem sie sagten: „Wudu auf Wudu ist Licht (Nur)“. Jetzt ist es an der Zeit, diesen lichtvollen Panzer anzulegen und mit jedem Wudu unsere Seele neu zu erwecken. Vergessen Sie nicht, dass Reinheit nicht nur die Hälfte des Glaubens, sondern auch die größte Erleichterung für das Herz ist.
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